
Tim Burton
Der Regie-Exzentriker im TELE 5-Interview über seine Wahlheimat London, Tücken der 3D-Technik und seine Freundschaft zu Johnny Depp.
Sie sind vor fast zehn Jahren von Kalifornien nach England übergesiedelt. Wie britisch sind Sie inzwischen geworden?
Bereits als ich Anfang der 1980er Jahre das erste Mal nach England kam, um ‚Batman‘ zu drehen, fühlte ich mich sofort wie Zuhause. Das war ein komisches Gefühl, weil es das erste Mal gewesen ist, dass ich mich überhaupt irgendwo wie Zuhause fühlte. Wahrscheinlich lebte ich hier schon mal in einem früheren Leben. Auf jeden Fall bin ich glücklich, nun schon etliche Jahre hier verbringen zu dürfen.Es ist
mein Zuhause, und ich liebe sogar das Wetter viel lieber als in Kalifornien.
Das meinen Sie nicht ernst. Es regnet es doch ständig in London.
Doch, doch! Wissen Sie, hier kann man bei jedem Wetter spazieren gehen. In Los Angeles macht man sich sofort verdächtig, wenn man ohne Auto unterwegs ist. Da wird man sofort von der Polizei angehalten und nach seinem Ausweis gefragt.
Kein Wunder also, dass Sie sich mit „Corpse Bride", „Sweeney Todd" und jetzt „Alice im Wunderland" immer wieder Stoffe annehmen, die im alten England spielen...
Besonders das viktorianische Zeitalter inspiriert mich mit seinen düsteren Bildern, wenn durch die nur mit Gaslicht beleuchteten Gassen im nächtlichen London dunkle Gestalten huschen. Dennoch ist ‚Alice im Wunderland‘ ganz anders geraten als etwa ‚Sweeney Todd‘. Mir war klar, dass ich mich ganz klar an den Ton von dem Autor Lewis Carroll halten wollte. Selbstverständlich gibt es auch in der Vorlage bizarre und politisch unkorrekte Elemente, aber der kindlich-leichte Geist überwiegt. Nicht anders sollte unser Film werden.
Er gilt als das neue 3-D-Wunder im Kino nach ‚Avatar‘. Finden Sie nicht, dass nicht ein bisschen viel Rummel um diese Technik gemacht wird?
Es stimmt, dass 3-D momentan ziemlich aufgebauscht wird. Das war allerdings anders, als wir mit ‚Alice im Wunderland‘ vor einigen Jahren anfingen. Ich bin deshalb froh, dass ich schon so früh damit angefangen habe und nicht jetzt gezwungen werde, unbedingt einen Film in 3-D drehen zu müssen, weil es gerade alle vorhaben. In nächster Zeit bekommen wir sicherlich viele schlechte 3-D-Filme vorgesetzt, weil Hollywood nun mal jedes Erfolgsrezept ausge- schlachtet. So funktioniert die Branche. Dennoch ist 3-D eine tolle Sache, wenn man es als technisches Werkzeug und nicht als Wunderwaffe betrachtet.
Hätte man ‚Alice im Wunderland‘ nicht auch im Stop- Motion-Verfahren wie ‚Corpse Bride‘ realisieren können?
Die gibt es bereits als tschechische Version und ist mir von allen Verfilmungen sogar die liebste. In meinem Film sind wahrscheinlich alle Techniken angewandt worden, nur Stop-Motion nicht. Und das obwohl ich ein so großer Fan davon bin! Es wird also auch nach ‚Nightmare Before Christmas‘ und ‚Corpse Bride‘ weitere Stop-Motion-Filme von mir geben.
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