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Skandal! Mit Oskar Roehler - Das Leben des Brian

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Das Leben des Brian

94 min | Großbritannien
Komödie, Satire 1979
IMDB : 8.1

Der unter der Fuchtel von Übermutter Mandy lebende Brian ist ein bisschen trottelig und schüchtern. Und er ist nicht Jesus! Doch sein Herz ist das eines Revoluzzers. Als Kämpfer gegen die Römer landet er bald vor Pontius Pilatus. Zum Glück gelingt Brian die Flucht. Nur: Wie lange kann er sich noch tarnen, wo er doch aus Versehen zum Guru geworden ist.

Sechs Personen in 40 Rollen! Das können nur Monty Python.

Kritik für Skandal-Reihe: Brian ist nicht Jesus – Monty Pythons respektloser Filmspaß war seinerzeit ein Skandal.

Regie: Terry Jones
Drehbuch: Graham Chapman

Rolle:

Brian Cohen/Schwanzus Longus/Weise aus dem Morgenland
Francis/Ex-Leprakranker/„Rübennase u. a.
Reg/Centurio/Hohepriester u. a.
Mutter Mandy Cohen/Eremit/Simon von Cyrene u. a.
Stan alias „Loretta“/Mr. Cheeky/Bartverkäufer u. a.
Blut- und Donnerprohet, Gefängniswärter u. a.


Darsteller:

Graham Chapman
Michael Palin
John Cleese
Terry Jones
Eric Idle
Terry Gilliam

Kritik

„Filmkritiker und die Pythons selbst bezeichnen ‚Das Leben des Brian‘ aufgrund seiner kohärenten Geschichte und intellektuellen Substanz als das reifste Werk der Komikergruppe [Monty Python]. Zahlreiche Umfragen bestätigen den anhaltenden Erfolg beim Publikum. Das Abschlusslied „Always Look on the Bright Side of Life“ wurde weit über den Filmkontext hinaus bekannt. Das British Film Institute wählte „Das Leben des Brian“ auf Platz 28 der besten britischen Filme aller Zeiten.“ (Wikipedia)

„Ende der Siebzigerjahre, als die Heilige Kirche noch ein bisschen heiliger war, die Gläubigen etwas gläubiger und die Lateinpauker etwas strenger waren, schlug Jones‘ köstlicher Filmspaß, den er in den Kulissen von Franco Zeffirellis ‚Jesus von Nazareth‘ drehte, ein wie eine Bombe. Ein Angriff auf die Lachmuskeln gequälter Primaner und ein Angriff auf all diejenigen, die sich schon immer Recht und Ordnung auf die Fahnen geschrieben hatten.“ (prisma.de)

„Das Kult-Komiker-Team Monty Python nimmt sich in ‚Das Leben des Brian‘ ohne jeden Respekt diverse Welt-Religionen vor und zieht sie von vorne bis hinten durch sämtliche Kakaosorten. Kein Wunder also, dass die Kirche alle Hebel in Bewegung setzte, um es dem Film so schwer wie möglich zu machen. Und das nicht nur im Vatikan…“ (moviepilot.de)

Hintergrund

In fast allen Ländern sorgte „Das Leben den Brian“ für einen Skandal, als er in die Kinos kam: In Norwegen wurde mit „Leben des Brian“ zum ersten Mal eine Komödie aus dem Verkehr gezogen, der Vorwurf lautete Blasphemie. Das löste eine Kontroverse zur Meinungsfreiheit aus. Der Film konnte dann immerhin Monate nach seiner Veröffentlichung gezeigt werden, mit der Maßgabe, dass die kritisierten Passagen der Bergpredigt und der Kreuzigungsszene – die von der Zensur als religiöse Gefühle verletzend eingeschätzt wurden – nicht übersetzt wurden. Die Schweden witzelten, der Film sei so witzig, dass die Norweger ihn verböten. Auch in Irland durfte er bis 1987 wegen Blasphemie nicht gezeigt werden. In Kanada erschien er neben der Altersbeschränkung ab 17 Jahren mit dem ausdrücklichen Verweis, möglicherweise religiöse Gefühle zu verletzen. In Italien kam er gleich gar nicht auf die Bildfläche. In Australien wurde er gerade wegen der hitzigen Diskussionen im Vorfeld, die bis ins Parlament vordrangen, zum Erfolg. Genauso in den USA und in Großbritannien, wo streng religiöse Vereinigungen gegen seine Ausstrahlung mobil machten und damit – vor allem in den USA – erbitterte Diskussionen in Medien und Gesellschaft provozierten. Monty Python verteidigten ihren Film, der keinesfalls indoktrinierend oder verletzend gemeint sei, sondern einfach nur Spaß machen sollte. John Cleese und Michael Palin scherzten 1998 in „Monty Python’s Flying Circus: Live at Aspen“ über die früheren Proteste aus allen christlichen Richtungen: „Wir haben sie zusammengebracht, zum ersten Mal, in 2.000 Jahren!“

Starinfo

Terry Gilliam

Der 1940 in Minnesota geborene Terry Gilliam studierte Politikwissenschaft, nebenbei arbeitete er als Comiczeichner für eine satirische Zeitschrift. Für die schrägen Komiker des „Monty Python’s Flying Circus“ fungierte Gilliam als Schauspieler, Regisseur und Autor. Es folgten eigene Filme. Für „Brazil“ erhielt er zwei Oscar-Nominierungen, für „König der Fischer“ den Golden Globe. Trotz seiner Erfolge sieht sich Gilliam nicht in der Riege der großen Regisseure der Traumfabrik: „Ich ein Hollywood-Visionär? Ich bin nicht mal ein Hollywood-Regisseur!“ So nahm Gilliam auch 2006 die englische Staatsbürgerschaft an.

John Cleese

Der am 27. Oktober 1939 in England geborene Komiker kennt sich aus mit Bildung und war von 1970 bis 1973 Rektor der University of St. Andrews. Heute noch hat er eine Gastprofessur an der Cornell University in New York. Das Multitalent arbeitete u.a. als Produzent, Drehbuchautor und Regisseur – nur eines kann Cleese laut eigener Aussage nicht: „Ich bin vermutlich der schlechteste Sänger in Europa“. Neben seinen legendären Auftritten mit „Monty Python“ war der Star u. a. als James Bonds Waffenentwickler „Q“ und in den „Harry Potter“-Verfilmungen zu sehen. Cleese entwickelte aber auch Schulungsvideos für Manager, psychologische Ratgeber und populärwissenschaftliche TV-Shows.

Eric Idle

Er darf sich rühmen, einer der prominenten „Monty Pythons“ zu sein, die den britischen Humor zu einem Exportschlager machten. Die Biografie des 1943 in England geborenen Multitalents Eric Idle begann eher tragisch, denn sein Vater, ein Pilot der Royal Air Force, starb bei einem Absturz an Heiligabend, als Eric gerade zwei Jahre alt war. Der mit einem abgeschlossenen Englischstudium aus Cambrige hervorgegangene Sprachperfektionist begann sein komödiantisches Talent im „Cambridge Footlights Comedy Club“ zu entwickeln, dem er bald als Präsident vorstand. Eine seiner ersten Großtaten war es, den Club auch Frauen zugänglich zu machen. Als „drittbester“ Monty Python (wie er selbst sich sah) hatte er zuweilen Probleme, weil er seine Texte immer allein schrieb, was der Arbeitsweise der kreativen Chaos-Truppe mit den originellen Film- und Textideen im Grundsatz widersprach.

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