Die letzte Versuchung Christi

164 min | USA
Drama 1988
IMDB :

Jesus Christus – allem voran Mensch und Suchender – ist Zimmermann und baut Kreuze für öffentliche Tötungen. Er kämpft mit Zweifeln, Träumen, Versuchungen und seiner Berufung. Er lässt sich taufen, reist als Prediger umher, Jünger schließen sich ihm an, er liebt Maria Magdalena. Ist das der Messias?

Achtung, Anstoß: Nicht ihn zu nehmen, sondern zum Fühlen und Denken!

Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: Paul Schrader

Rolle:

Jesus Christus
Judas Iscariot
Maria Magdalena
Pontius Pilatus
Simon Petrus
Johannes der Täufer

Darsteller:

Willem Dafoe
Harvey Keitel
Barbara Hershey
David Bowie
Victor Argo
Andre Gregory

Auszeichnungen (Auswahl):

Oscar, 1989, Beste Regie, Martin Scorsese, nominiert;

Grammy 1990, Bestes Album – Instrumental Soundtrack, Peter Gabriel, nominiert;

Goldene Himbeere, 1989, Schlechtester Schauspieler, Harvey Keitel, nominiert;

Kritik

„Das von Michael Ballhaus superb fotografierte Werk fesselt durch seinen Ernst und seine erzählerische Kraft. Fazit: Radikale Entmystifizierung eins Mythos.“ (cinema.de)

 „Die Inszenierung besticht zudem durch karge und doch wunderbare, ja satte (von Michael Ballhaus fotografierte) Bilder einer natürlichen und kulturellen Landschaft, die nur scheinbar der Gegenwart so fern ist, durch eine Darstellung von Jesus durch Willem Dafoe, die jedem Postkarten-Christus absolut fern ist, und nicht zuletzt durch eine Musik von Peter Gabriel und Shankar, die der Atmosphäre des Gezeigten zusätzliches Gewicht verleiht. ‚The Last Temptation of Christ‘ ist ein wunderbarer, zarter, ja zärtlicher und zugleich schmerzhafter (gelungener) Film, der – abseits jeder Hollywood-Manierismen – berührt und besticht. Ein weiteres Mal bewährte sich die Zusammenarbeit zwischen Scorsese und Paul Schrader, der auch die Drehbücher für ‚Wie ein wilder Stier‘ (1980) und ‚Taxi Driver‘ (1976) geschrieben hatte.“ (filmstarts.de)

„Ein Jesus von Nazaret, der eine sexuelle Beziehung zu Maria Magdalena pflegt und darüber hinaus seine Berufung als Sohn Gottes hinterfragt, waren für einigen Erzkonservativen zu viel des Guten. Dennoch setzte sich die Verfilmung über die einseitige Kritik hinweg und darf neben ‚Das 1. Evangelium – Matthäus‘ von Pier Paolo Pasolini als einer die vielschichtigsten und wichtigsten Genre-Beiträge gewertet werden. Nicht zuletzt gehört der starke Score von Peter Gabriel zu einem der ausgezeichneten Merkmale des rau inszenierten Films.“ (moviepilot.de)

„Eines darf man nie vergessen, es ist eine Romanverfilmung (Nikos Kazantzakis) und nicht der übliche Sandalenfilm aus der Antike, der das Alte Testament ins Bild rückt. Und er handelt doch von der Passion Christi. Die Szenen, die wir alle seit Kindertagen kennen sind auch nicht der Stein des Anstoßes gewesen, der militante katholische Demonstranten Ende der 80er Jahre vor die Kinoeingänge trieb, um den Eingang zu blockieren. Es ist ein Gedankenspiel am Ende des Films, das die Ursache für den Skandal war: Jesus (Willem Dafoe) wird von einem Schutzengel (Juliette Caton) vom Kreuz abgenommen, mit der sündigen Hure Magdalena (Barbara Hershey) vermählt und bekommt Kinder. Blasphemie! Teufelswerk! schmähten die Aufgebrachten damals. Es lag eine Scheiterhaufenatmosphäre in der Luft. Zugegeben man sah noch nie Jesus mit einer Frau im Bett Liebe machen – und seitdem auch nie wieder.“ (cinefacts.de)

„Kontrovers diskutierte Verfilmung des Kazantzakis-Romans ‚Die letzte Versuchung‘, die vor allem durch eine kurze Liebesszene zwischen Jesus und Maria weltweit für Aufruhr sorgte. Meisterregisseur Martin Scorsese orientiert sich ikonographisch an Bibelmotiven, legt aber ansonsten Wert auf die Nähe zur Romanvorlage. Die Spitzenbesetzung (William Dafoe, Barbara Hershey u.a.) und der Publicity-Wirbel um das Jesus-Drama werden dem Film auf Video zu sehr guten Umsätzen verhelfen.“ (kino.de)

„Nikos Kazantzakis’ Roman ‚Die letzte Versuchung‘, …jene(s) umstrittene Buch, das die katholische Kirche, unter Anführung des Papstes, es war Pius XII., auf den Index gesetzt hat. Umstritten zu Recht, aber keineswegs, weder ästhetisch noch theologisch, eines Verbots würdig. Kazantzakis macht mit Jesu Menschsein Ernst… Und dagegen nun der Film ‚Die letzte Versuchung‘ – eine barbarische Bearbeitung: grob, plump, oberflächlich und jener Dialektik bar, die ‚den einen und denselben‘ in seiner Zwienatur zeigen könnte. Jesus von Nazareth ist zu einem wild gestikulierenden Rambo geworden: am liebsten in action, mit dramatischem Gesichtsausdruck, rollenden Augen, verzerrten Minen oder – eine Stelle von unfreiwilliger Komik – mit feixendem Lächeln.“ (Die Zeit)

Hintergrund

Die Film-Adaption Martin Scorseses von Nikos Kazantzakis‘ Roman „Die Versuchung Christi“ wurde in Marokko gedreht. Schon vor ihrem Erscheinen rief sie, besonders unter Christen, Proteste wegen Blasphemie hervor. Hunderte Briefe, die ein Verbot des Filmes erreichen sollten, trafen in Deutschland bei der Filmbewertung und der FSK-Stelle ein. Manche Demonstration artete in Gewalt aus: Es gab zerstörte Kinosäle in den USA. Ein französisches Kino ging in Flammen auf. Chile bannte den Film zunächst, dann intervenierte der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte erfolgreich mit dem Argument der Meinungsfreiheit. Viele der Gegner hatten den Film nicht einmal gesehen.

Starinfo

Harvey Keitel

Seine zweite Frau Daphne heiratete er nach drei Wochen. Harvey Keitel ist eben keiner, der lange fackelt. Der 1939 geborene Brooklyner spielt nicht nur taffe Kerle, er ist auch selbst einer. Der 1,71 Meter-Mann kämpfte sich mit hervorragenden Leistungen in Filmen wie „Mean Streets“, „Taxi Driver“ oder „Das Piano“ an die Spitze Hollywoods. Und nahm dabei viele junge Regietalente mit. So war er unter anderem in den Erstlingswerken von Quentin Tarantino, Ridley Scott und Martin Scorsese zu sehen. Ein Fan Hollywoods ist Keitel allerdings nie geworden: „Das Widerlichste an Hollywood ist die fehlende Toleranz gegenüber Andersdenkenden: In der Filmindustrie hat heutzutage kaum jemand ein Interesse daran zu verstehen, was andere Menschen umtreibt.“

Harry Dean Stanton

„I want to dance with Harry Dean…”, sang die Blondie-Sängerin Debbie Harry in ihrem 1990er-Jahre-Hit „I Want That Man“ und meinte damit Harry Dean Stanton, den Musiker und Kult-Schauspieler, der bis zuletzt und über 60 Jahre im Filmgeschäft war. In über 100 Filmen und 50 Fernseh-Episoden spielte der 1926 geborene US-Amerikaner mit den markanten Zügen. Meist in Nebenrollen zu sehen, verpasste er seinen Charakteren einen immer besonderen Twist, mit dem er jedes Mal einen bleibenden Eindruck hinterließ. Oft arbeitete er an der Seite der wirklich Großen wie Paul Newman, Clint Eastwood, Tom Hanks, Sam Shepard, Johnny Depp oder Jack Nicholson, mit dem er eng befreundet war. Auch in seinen wenigen Hauptrollen brachte er es zur Meisterschaft. Unvergesslich: als Travis in Wim Wenders „Paris, Texas“ (1984) oder als Johnnie Farragut in David Lynchs „Wild at Heart“ (1990). Noch 2017 war er im Remake der Lynch-Serie „Twin Peaks“ und im Film „Lucky“ zu sehen. Er starb im selben Jahr in Los Angeles. Stanton wurde 91 Jahre alt.

Barbara Hershey

Eine Zeitlang nannte sie sich Barbara Seagull. Bei Dreharbeiten zu dem skandalträchtigen Film „Petting“ (1969) wurde eine Seemöwe getötet. Als Barbara Hershey davon erfuhr, war sie so erschüttert, dass sie zu Ehren der toten Möwe (engl.: seagull) ihren Namen änderte. Die 1948 geborene Schauspielerin war in dem Film so gut, dass Woody Allen auf sie aufmerksam wurde und ihr Jahre später die Hauptrolle in „Hannah und ihre Schwestern“ (1985) anbot. Für „Portrait of a Lady“ (1996) wurde sie für den Oscar nominiert – ein Höhepunkt ihrer Karriere. Als einzige Frau besetzte Martin Scorsese sie in zwei seiner Filme: „Die Faust der Rebellen“ (1970) und „Die letzte Versuchung Christi“ (1988). Sie war es, die dem berühmten Regisseur bei den Dreharbeiten zu den „Rebellen“ den „Christi“-Roman von Nikos Kazantzakis in die Hand drückte. Von 2012 bis 2013 und von 2015 bis 2016 hatte sie u. a. in der US-Serie „Once Upon a Time – Es war einmal …“ die Rolle der Cora inne. Nach den Horrorfilmen „Insidiuos“ (2010) und „Insidious: Chapter 2“ (2013) war sie zuletzt in „Insidious: The Last Key“ (2018) in den Kinos zu sehen.

Mit Liebe ausgewählte Filme