Julianne Moore

„Bei mir an der Schule gab es früher ein „Slam Book“, heute gibt es das Internet“

Julianne Moore im TELE 5-Interview über Cyber-Mobbing, Sonnencreme und das größte Wunder der Menschheit

Es ging gerade durch die Presse: Julianne Moore hat sich in Cannes für eine Frauenquote in der Filmindustrie ausgesprochen und hofft auf positive Veränderungen durch #MeToo. In Filmen wie „Still Alice“ oder „Dem Himmel so fern“ ist die Oscar-Preisträgerin in großartigen Frauenrollen zu sehen.

Im TELE 5-Interview spricht sie über ihre Rolle in „Carrie“ und außerdem …

…darüber, ob sie dankbar sei, ohne Internet aufgewachsen zu sein:

„Wir hatten etwas ähnliches, natürlich nicht mit heute zu vergleichen. Aber bei uns an der Schule gab es ein „Slam-Book“. Ein Buch, das herumgereicht wurde, und in das jeder seinen Kommentar über eine andere Person schreiben konnte – natürlich anonym. Dieses Buch war verboten und wenn man damit erwischt wurde, gab es großen Ärger. Trotzdem kam immer wieder ein neues Buch zum Vorschein.“

…ob ein „Slam-Book“ nicht fast das gleiche ist, was wir heutzutage im Internet finden:

„Richtig. Doch nicht nur bei Jugendlichen, sondern bei Erwachsenen. Wir finden es im Netz oder sogar in der Klatsch-Presse. Es werden anonym Kommentare über Leute verbreitet. Ich finde das nicht richtig.“

…über das größte Wunder der Menschheit und was dieses mit ihrer Rolle in „Carrie“ zu tun hat:

„Bei „Carrie“ geht es für mich nicht um Horror und Blut, sondern einfach um ein Mädchen, das vom Kind zur Jugendlichen wird und dabei jede Menge Hindernisse überwinden muss, ihre Mutter – ich – ist eines davon! Chloe, die meine Tochter im Film spielt, war damals 15 Jahre alt. Mein eigener Sohn war 14. Dass ich eine Mutter bin, hat sicherlich dabei geholfen, mich FÜR den Film zu entscheiden. Viele Leute reden von Superkräften oder übersinnlichen Fähigkeiten – aber das größte Wunder der Menschheit ist doch das Erwachsenwerden.“

…über ihr Schönheitsgeheimnis:

„Sonnencreme (lacht). Ich schwöre darauf und glaube wirklich, dass es den Unterschied macht. Meine Geschwister und ich haben ganz helle Haut, deshalb hat uns unsere Mutter nie in die pralle Sonne gesetzt. Natürlich hat es auch etwas mit den Genen zu tun (lacht).“

Textrechte: ©TELE 5-Kommunikation, Verwertung (auch auszugsweise) honorarfrei nur bei aktuellem Programmhinweis auf TELE 5 und bei Nennung der Quelle.

Das komplette Interview mit Julianne Moore lesen Sie hier:

Julianne Moore Filme

Warum haben Sie sich 2013 für die Neuverfilmung des Horror-Klassikers „Carrie“ entschieden?

Ich finde die Geschichte toll. Als der Original-Film 1975 zum ersten Mal zu sehen war, war ich 14 Jahre alt. Ich liebte die Story und die Romanvorlage von Stephen King. Dabei geht es für mich nicht um Horror und Blut, sondern einfach um ein Mädchen, das vom Kind zur Jugendlichen wird und dabei jede Menge Hindernisse überwinden muss, ihre Mutter – ich – ist eines davon! Chloe, die meine Tochter im Film spielt, war damals 15 Jahre alt. Mein eigener Sohn war 14. Dass ich eine Mutter bin, hat sicherlich dabei geholfen, mich FÜR den Film zu entscheiden. Viele Leute reden von Superkräften oder übersinnlichen Fähigkeiten – aber das größte Wunder der Menschheit ist doch das Erwachsenwerden.

Wie waren Sie als Teenager?

In der Grundschule war ich ein totaler Streber. Als ich auf dem Gymnasium war, versuchte ich immer, mich an alle Regeln zu halten, um ja nicht aus der Reihe zu tanzen. Mein Vater war beim Militär angestellt, deshalb zogen wir oft um. Ich besuchte zwei verschieden Gymnasien, schon alleine deshalb kannte ich das Gefühl, der Außenseiter zu sein und keine Freunde zu haben. Doch egal wo wir auch waren, ich besuchte immer eine Theaterschule.

Haben Sie sich deshalb dazu entschieden Schauspielerin zu werden?

Das war die Schuld meiner Englischlehrerin aus Frankfurt, wo wir auch mal wohnten. Sie war diejenige, die damals zu mir sagte, dass ich mir mit der Schauspielerei meinen Lebensunterhalt verdienen könnte. Sie gab mir eine Liste mit verschiedenen Schauspielschulen, die ich besuchen könnte. Von diesem Moment an war für mich klar: ‚Ich will Schauspielerin werden‘. Noch am selben Tag weihte ich meine Eltern in meinen Berufswunsch ein. Tja – und hier bin ich…(lacht).

War es nicht schwer, sich als Teenager zu verlieben, wenn man ständig umziehen musste?

Als Teenager sieht man alles viel lockerer. Mit 13 Jahren glaubt man daran, sich Millionen Mal zu verlieben. Doch als erwachsener Mensch sieht das ganz anders aus. Man verliebt sich nicht so oft. Wenn man es tut, ist es wichtig, dieses Gefühl zu erkennen und es zu beschützen, denn wie gesagt, es passiert nicht täglich (lacht).

Haben Sie jemals in Los Angeles gewohnt?

Ja, von 1993 bis 1998. Aber der einzige Grund dafür war eine Beziehung, von der ich weg wollte (lacht). Der Vorteil an LA war, dass ich dort meinen jetzigen Mann kennengelernt habe, der aber an der Ostküste lebte. Als 1997 unser Sohn Caleb zur Welt kam, zog ich zu ihm. Ich mag Los Angeles, aber für uns ist es einfacher an der Ostküste zu leben.

Apropos Mann. Sie sind seit 2003 mit dem Regisseur Bart Freundlich verheiratet. Was ist das Geheimnis Ihrer erfolgreichen Beziehung?

Eines vorneweg: Es ist sehr hart. Ich bin seit 16 Jahren mit meinem Ehemann verheiratet – was ich übrigens selbst kaum glauben kann (lacht). Unsere Beziehung fühlt sich immer noch sehr neu an, sofern das überhaupt möglich ist. Dafür muss man sich natürlich bemühen, wir verreisen und probieren öfter mal was Neues aus. Ich versuche nie den Grund dafür zu vergessen, warum unsere Familie besteht: weil wir zuerst ein Paar waren. Wenn Dinge wie der Job, Kinder, das Haus, der Hund in das gemeinsame Leben eingreifen, kann es passieren, dass die Romantik einer Beziehung verloren geht. Deshalb mein Tipp: Arbeite immer daran, deine Beziehung frisch zu halten, denn das ist der Kern einer funktionierenden Familie.

In „Carrie“ spielen Sie eine geistig gestörte Frau mit Wahnvorstellungen. Glauben Sie an Geister oder Magie?

Naja, das würde ich so nicht sagen. Aber ich glaube an die Macht der Fantasie! Ich finde, dass die Fantasie unser Leben regiert. Wir versuchen alles in unserem Leben damit zu erklären: unsere Gefühle, was andere empfinden, oder was uns die Zukunft bringt – mit unserer Fantasie entwerfen wird ein Bild von unserer Umwelt. Diese starke Macht für einen Film erkunden zu dürfen, ist sehr interessant!

Ihre Mutter war Psychiaterin in einer Psychiatrie. Glauben Sie, dass es Ihnen geholfen hat, sich auf die Rolle vorzubereiten?

(überlegt) Ja, ich glaube schon. Ich habe mich schon immer – wahrscheinlich wegen des Berufes meiner Mutter – für auffälliges Verhalten bei Menschen interessiert. Aber als Schauspieler versucht man auch immer zu ergründen, was hinter den Absichten eines Menschen stecken könnte.

Sie sind seit über 35 Jahren in der Filmindustrie. Sie müssen bestimmt nicht mehr zu Vorsprechen gehen, oder?

(überlegt) Es ist tatsächlich schon lange her, dass ich das letzte Mal für eine Rolle vorsprechen musste.

Können Sie sich noch daran erinnern, wann das war?

Das erste Mal, dass ich nicht vorsprechen musste, war für Regisseur Bob Balaban. Er arbeitete an einer Improvisations-Comedy-Show in New York, für die er mich haben wollte. Ich war 30 Jahre alt. Ich traf mich mit ihm, er zeigte mir die Bühne, stellte mir die Autoren vor und fragte mich dann, ob ich die Rolle haben will. Ich sagte sofort zu. Er sagte OK und ging – das war’s. Ich wusste gar nicht, wie mir geschah (lacht).

Sind Sie sehr dankbar dafür, dass Sie in einer Zeit ohne Internet aufgewachsen sind?

Wir hatten etwas ähnliches, natürlich nicht mit heute zu vergleichen. Aber bei uns an der Schule gab es ein „Slam-Book“. Ein Buch, das herumgereicht wurde, und in das jeder seinen Kommentar über eine andere Person schreiben konnte – natürlich anonym. Dieses Buch war verboten und wenn man damit erwischt wurde, gab es großen Ärger. Trotzdem kam immer wieder ein neues Buch zum Vorschein.

Das ist ja fast das gleiche, was wir heutzutage im Internet finden.

Richtig. Doch nicht nur bei Jugendlichen, sondern bei Erwachsenen. Wir finden es im Netz oder sogar in der Klatsch-Presse. Es werden anonym Kommentare über Leute verbreitet. Ich finde das nicht richtig. Jeder sollte genau das sagen, was er denkt, aber dann auch als Mensch dazu stehen und sich nicht hinter einer Fassade verstecken. Das würde einiges ändern und dem Cyber-Mobbing wahrscheinlich ein Ende setzen.

Sie werden dieses Jahr 59 Jahre alt – man sieht es Ihnen allerdings nicht an. Was ist Ihr Geheimnis?

Sonnencreme (lacht). Ich schwöre darauf und glaube wirklich, dass es den Unterschied macht. Meine Geschwister und ich haben ganz helle Haut, deshalb hat uns unsere Mutter nie in die pralle Sonne gesetzt. Natürlich hat es auch etwas mit den Genen zu tun (lacht).

Was für Ziele haben Sie?

Um ehrlich zu sein, ich will einfach nur weiter arbeiten können. Wenn wir jünger sind, wollen wir dies und wollen wir das machen. Doch in meinem Alter geht es nur noch darum, im Moment präsent zu sein und seine Zeit zu genießen.

Viele Schauspielerinnen beteuern, dass es ab 40 schwer ist, noch Rollen zu bekommen. Für Meryl Streep und auch für Sie scheint das kein Problem zu sein?

Ich glaube das hat enorm viel mit Glück zu tun und dafür bin ich sehr dankbar. Ich hatte mir am Anfang meiner Karriere so viele unterschiedliche Chancen erträumt – und genau das habe ich geschafft. Für meine Zukunft könnte ich mir nichts Besseres vorstellen, als weiterhin diese Chancen zu haben.

Beruf und Familie, da bleibt nicht mehr viel Zeit für einen selbst. Wie entspannen Sie sich?

Mit Ashtanga Yoga! Dadurch kann ich Ruhe finden. Das Spannende daran ist, dass man sich komplett auf sich selbst konzentrieren muss. Wenn sich die Gedanken unkontrolliert auf Wanderschaft begeben, kann man das Gleichgewicht verlieren und hinfallen (lacht).

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