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Skandal mit Oskar Roehler: Augen der Angst



Augen der Angst

(Peeping Tom)

Thriller, GB 1959, 96 Minuten, FSK 18

Mark Lewis ist durch seine Kindheit schwer traumatisiert. Die Lust Angst in den Augen anderer zu sehen, ist eine wahre Obsession von ihm. Als Kameramann hat er sich auf junge Mädchen spezialisiert. Mit einem Messer im Stativ tötet er sie, während er das grausame Treiben fotografiert. Ein Skandal-Thriller der 50er mit Karlheinz Böhm. Auch Hitchcock war begeistert und bediente sich für „Psycho“.

Darum ein Skandalfilm: 

„Augen der Angst“ (Originaltitel: „Peeping Tom“) hat mehr oder minder zum Karrierebruch von Micheal Powell geführt, dem wohl wichtigsten britischen Filmschaffenden seiner Zeit. Aber nicht nur er, sondern auch Hauptdarsteller Karlheinz Böhm hatte zunächst kein Bein mehr auf den Boden bekommen. Niemand wollte den feinen Donau Monarch Kaiser Franz Joseph, bestens bekannt aus der Sissi-Trilogie als perversen Spanner und Frauenmörder auf der Leinwand erspähen.

 

Regie: Michael Powell

Drehbuch: Leo Marks

 

 

Rolle:

Darsteller:

Mark Lewis

Karlheinz Böhm

Vivian

Moira Shearer

Helen

Anna Massey

Mrs. Stephens

Maxine Audley

Arthur Baden

Esmond Knight

Mr. Peters

Bartlett Mullins

 

Mark Lewis ist Kameramann in einem Filmstudio. In Zeiten, wo nicht gedreht wird, macht er Nacktaufnahmen, die er unter der Hand an Agenturen verkauft. Marks Vater war ein berühmter Wissenschaftler, der sein Leben dem Studium des Phänomens der Angst widmete und dabei seinen Sohn oft als Testperson nutzte. So weckte er ihn zum Beispiel, während er ihm einen hellen Scheinwerfer vor die Augen hielt und filmte die Angst in den Augen des Erwachenden. Mark, jetzt erwachsen, ist ein psychopathischer Killer geworden, dessen Obsession darin besteht, Frauen zu töten und ihre Todesangst dabei zu filmen. Um dies zu vereinen, hat er an seine Filmkamera ein Stilett gebaut….

 

Kritik: „…intelligent gemachter, überaus moderner Thriller, der … für die miefige Dekade der 50er jedoch wie eine unerhörte Provokation gewirkt haben muss. … Selten hat ein Film gegen Ende der fünfziger Jahre die Gemüter so erregt wie ‚Augen der Angst’. Michael Powells Regiekarriere kam vorzeitig zum Erliegen und auch Karlheinz Böhm, der sich mit seiner Rolle eine Abkehr vom Image des Märchenprinzen erhofft hatte, schaufelte sich für seine Laufbahn das eigene Grab.“… „Powell macht …den Zuschauer zum heimlichen Komplizen des Mörders, indem er ihm eine subjektive Kameraführung in der Perspektive des Objektivs aufzwingt. Genau diese Methode der filmischen Indoktrination verwendete Hitchcock ein Jahr später … für ‚Psycho’. Und auch in Bezug auf die Besetzungsliste zog der Altmeister manche Anleihe…“ (TV Spielfilmlexikon)

Das dachte damals die Presse:
„The only really satisfactory way to dispose of Peeping Tom would be to shove lit up and flush its wiftly down the nearest sewer. Even then, the stench would remain. Obviously there's a legitimate place in the cinema for genuine psychological studies. But this crude, sensational exploitation merely aims at giving the bluntest of cheap thrills. It succeeds in being alternately dull and repellent. It is no surprise that this is the work of Michael Powell, who displayed his vulgarity in such films as a Matter of Life and Death, The Red Shoes and A Canterbury Tale. In PThisself- exposure goes even further. He not only plays the sadistic father but uses his own child as the victim..“
Derek Hill – London Tribune

 

Hintergrund: In ‚Augen der Angst‘ wird der Zuschauer bewusst zum Voyeur gemacht. So schrieb der berühmte US-amerikanische Filmkritiker Roger Ebert: „Wir sitzen im Dunkeln und verfolgen das Leben von anderen Menschen. Das ist der Trick, mit dem das Kino uns packt. Die meisten anderen Filme sind jedoch zu wohlerzogen, um uns darauf hinzuweisen.“ Regisseur Martin Scorsese hat einmal geäußert, dass ‚Augen der Angst‘ alles beinhalte, was man übers Filmemachen sagen könne. Doch bei der Erstaufführung löste der Film zunächst einen Skandal aus und wurde äußerst kontrovers besprochen.„Krankhaft, abwegig und peinlich geschmacklos“, so urteilte etwa der Katholische Filmdienst.  Mittlerweile genießt das Werk unumstrittenen Kultstatus. 2004 wurde ‚Augen der Angst‘ von dem Magazin „Total Film“ unter die  besten britischen Filme aller Zeiten gewählt.

 

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