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Skandal mit Oskar Roehler: Jud Süß - Film ohne Gewissen



Jud Süß – Film ohne Gewissen

Biografie, Deutschland/Österreich 2010

Joseph Goebbels, Propaganda-Minister im Dritten Reich, will zu einem neuen Schlag gegen die Juden ausholen. Er plant einen Film namens „Jud Süß“, der die Stimmung gegen die zum Feind erklärten Juden im deutschen Volk anheizen soll. Die Hauptrolle soll Ferdinand Marian spielen. Doch Marians Frau Anna ist Jüdin...

Umstrittene Verfilmung zur Entstehung des bekannten Anti-Juden-Propaganda-Films.

Darum ein Skandalfilm:

Oskar Roehlers Beitrag zur 60. Berlinale im Jahr 2010 und wohlbedeutendstes Puzzleteil der ersten SKANDAL-Staffel. „Jud Süß- Film ohne Gewissen“ stieß noch vor seiner Premiere auf eine breite Ablehnung und erntete viele Buhrufe seines Pressepublikums. Aber wieso eigentlich?
Kontrovers diskutiert wurde die Neuverfilmung, richtig… Vorwürfe wieder Geschichtsverfälschung, Legendebildung oder einzusatirischer Einschlag des Films wurden laut.

 

Regie: Oskar Roehler

Drehbuch: Klaus Richter, Oskar Roehler, Franz Novotny

 

 

Rolle:

Darsteller:

Ferdinand Marian

Tobias Moretti

Anna Marian

Martina Gedeck

Joseph Goebbels

Moritz Bleibtreu

Veit Harlan

Justus von Dohnányi

Heinrich George

Armin Rohde

Kristina Söderbaum

Paula Kahlenberg

 

Auszeichnungen (Auswahl):

Nominierung für den Goldenen Bär 2010 (Oskar Roehler);

2 Nominierungen für den Deutschen Film Award in Gold in den Kategorien Bestes Kostümbild (Thomas Oláh) und Bestes Maskenbild (Björn Rehbein);

Österreichischer Film Award 2011 in der Kategorie Beste Maske (Björn Rehbein) und drei Nominierungen in den Kategorien Bester männlicher Darsteller (Moritz Bleibtreu und Tobias Moretti) und Bestes Szenenbild (Isidor Wimmer);

 

Kritik:
„Aber der stets risikofreudige Roehler hat eben kein Biopic und keine Historiendoku gedreht. Hier geht es um Kino – saftiges, pralles, rückhaltlos unterhaltsames Kintopp. Ein echter Roehler-Film mit einem grandiosen Schauspieler-Team (allen voran Tobias Moretti und Moritz Bleibtreu), perfidem Humor, deftigem Sarkasmus und emotionaler Dichte in den stillen, gefährlichen Szenen.“ (Abendzeitung München)

„Eine beklemmende, brillant gespielte Studie über die Verführbarkeit des Einzelnen in einer diktatorischen Gesellschaft […] unbedingt sehenswert: Eine packende Geschichtsstunde.“ (cinema)

„In den 1940er-Jahren drehten die Nazis mit ‚Jud Süß‘ einen ihrer übelsten Propagandafilme. Jetzt hat Oskar Roehler die Geschichte des Werkes verfilmt. Leider mangelt es ihm bei seiner Umsetzung an einer Haltung. Und Moritz Bleibtreu wirkt als Propagandaminister Joseph Goebbels wie angelernt.“ (Die Welt)

„‘Jud Süß – Film ohne Gewissen‘ sorgte bei der Premiere im Rahmen der 60. internationalen Filmfestspiele in Berlin tatsächlich für hitzige Debatten: Roehler und Drehbuchautor Klaus Richter mussten vor allem die Abweichungen von den historischen Fakten – Anna war weder jüdischer Abstammung, noch hatte das Paar einem jüdischen Schauspielkollegen Unterschlupf geboten – verteidigen.“ (Fokus)

Das dachte damals die Presse:
„(…) ein gefährlich sexualisierter Blick auf das Dritte Reich (…) Antisemitismus als SM Rollenspielchen– das ist die wohl problematischste Zuspitzung dieses an problematischen Zuspitzungen nicht eben armen Filmes.(…) statt der historisch genauen Analyse gibt es nur die Kolportage: Heißa, so wild trieb es die Reichshauptstadt!“
Christian Buß – Spiegel Online

 

Hintergrund: In einer Szene sieht man Goebbels (Moritz Bleibtreu), Harlan (Justus von Dohnányi) und andere einen Film über Goebbels 43. Geburtstag ansehen. Es ist eine Originalaufnahme mit dessen Kindern, die von Schauspieler Heinz Rühmann aufgezeichnet wurde, der 1940 in Goebbels Haus in Wannsee eingeladen war. Zur selben Zeit, als der Film „Jud Süß“ erschien, kam eine neue Ausgabe von Prof. Friedrich Killis Buch „Ich war Jud Süß“ heraus, der Biografie des Schauspielers Ferdinand Marians, dem Titeldarsteller des Nazi-Propaganda-Films „Jud Süß“ (gespielt von Tobias Moretti). Der Medienforscher und Jud-Süß-Experte Killi beklagte in seinem Vorwort die historischen Ungenauigkeiten von Roehlers Films und die darin liegende Möglichkeit zur gefährlichen Legendenbildung. Sowohl Roehler als auch Darsteller Moritz Bleibtreu beriefen sich auf die künstlerische Freiheit,

 

Starinfo Tobias Moretti: Noch während seines Studiums in Komposition an der Universität für Musik in Wien, tauschte der spätere „Kommissar Rex“ den Notenbogen gegen die Bühne: Der 1959 geborene Österreicher Tobias Moretti besuchte die Otto Falckenberg Schauspielschule in München, wo er später auch Ensemblemitglied am Residenztheater und an den Kammerspielen war. Auch nachdem er sich Ende der 80er-Jahre dem Film und Fernsehen zuwandte, blieb er dem Theater treu. Zuletzt verkörperte er 2017 den „Jedermann“ auf der Bühne der Salzburger Festspiele. Seit 1997 ist der vielfach ausgezeichnete Moretti (Bayerischer Filmpreis, Adolf-Grimme-Preis, Bambi) mit seiner Frau, der Oboistin Julia Moretti, verheiratet, das Paar hat drei Kinder und lebt auf einem 400 Jahre alten Bauernhof in der Nähe von Innsbruck. Wie passend: Moretti, ein Gegner des immer weiter wachsenden Skizirkus‘ in Österreich, liebt reiten, klettern, Ski- und Motorradfahren und führt auf seinem Hof auch die Landwirtschaft.

 

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