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Skandal mit Oskar Roehler: Natural Born Killers



Natural Born Killers

Action/Thriller/Kömödie, USA 1994

Mickey und Mallory haben sich gefunden. Als wahllos und brutal mordendes Pärchen ziehen die früheren Missbrauchsopfer durch die USA. Verfolgt von Detektive Scagnetti und den blutgeilen Medien und deren Publikum. Der eine will die beiden tot sehen, die anderen auf ihren Bildschirmen – und das am besten live und in tödlicher Action...

Bitterböses Killer-Road-Movie à la “Bonny und Clyde” – hoch 10!

Darum ein Skandal Film:

Der Skandal entwickelte sich eigentlich erst nach Veröffentlichung von „Natural Born Killers“. Denn nach dessen Erscheinen kam es in Frankreich und vorallem den USA zu einer Reihe von Trittbrett fahrern, die unmittelbar durch den Film inspiriert schienen. Die Macher, allen voran Oliver Stone und die Time-Warner- Gesellschaft, mussten sich daraufhin vor Gericht verantworten wurden dann aber doch unter dem Hinweis auf eine mangelnde Rechtsgrundlage und der geltenden Meinungsfreiheit freigesprochen.

 

Regie: Oliver Stone

Drehbuch: Oliver Stone, Richard Rutowski, David Veloz

 

 

Rolle:

Darsteller:

Mickey Knox

Woody Harrelson

Mallory Knox

Juliette Lewis

Dwight McClusky

Tommy Lee Jones

Detektive Jack Scagnetti

Tom Sizemore

Wayne Gale

Robert Downey Jr.

Ed Wilson, Mallorys Vater

Rodney Dangerfield

 

Auszeichnungen (Auswahl):

Nominierung für den Golden Globe 1995 in der Kategorie Bester Regisseur – Spielfilm (Oliver Stone);

3 Preise (Großer Special Jury Preis – Oliver Stone; Pasinetti Award – Juliette Lewis; Special Mention – Juliette Lewis) und die Nominierung für den Goldenen Löwen (Oliver Stone) auf dem Filmfest in Venedig 1994;

Nominierungen für 2 MTV Movie + TV Awards (Bestes Film-Duo und Bester Kuss – beide für Juliette Lewis und Woody Harrelson);

Yoga Award 1995 in der Kategorie Schlechtester Ausländischer Film;

 

Kritik:
„Oliver Stones ultragewalttätige, bitterböse Mediensatire ist Hollywoods radikalster Studiofilm seit ‚Clockwork Orange‘. Wie der kontroverse Regisseur Quentin Tarantinos Drehbuch zu einem surrealen Bilderrausch umfunktionierte, ist Filmmaking in absoluter Perfektion.“ (kino.de)

„Mit „Natural Born Killers“ liefert [Oliver Stone] ein unvergleichliches und nie da gewesenes Meisterwerk der Sonderklasse: Subversive Pop-Art und regelrecht abartige Brüche der Konventionen, Vermischung von Schwarz-Weiß-Aufnahmen, Zeichentrick, Fotokollagen, überzeichnete Farbaufnahmen und psychologische Hintergrundmotive machen aus dem Film einen wahrhaften Trip, der einem schwer zusetzt. Die exzessiven Gewalt- und Sexdarstellungen, vermengt mit biblischen Motiven und beißender Mediensatire bieten das richtige Rüstzeug, um der Gesellschaft den Spiegel in einer nie erlebten Unverfrorenheit vorzuhalten.“ (filmstarts.de)

„Oliver Stones Killerballade war der umstrittenste Film des Jahres 1994. Ein gewalttätiger Geniestreich, ein psychedelisches Albtraumszenario, das durch seine radikale optische Gestaltung beim Zuschauer genau jenen Abstumpfungseffekt auslöst, der solche Taten erst ermöglicht.“ (cinema.de)

„Zwei Stunden lang bombardiert Oliver Stone das Publikum mit bluttriefenden Szenen, ohne dabei jedoch jemals die Gewalt wirklich zu verherrlichen, wie es viele Leute, die den Film entweder nicht gesehen oder aber nicht verstanden haben, beim Kinostart in Deutschland behauptet haben, er stellt lediglich die grausame Realität und die Sensationsgier der Medien etwas übersteuert dar.“ (moviepilot.de)

„[...] sich kritisch gebende[r], äußerst gewalttätige[r] Film[], der seine Geschichten distanzlos erzählt und der Faszination der Gewalt selbst erliegt. Der irritierende und unbequeme Film prangert die Sensationslust der Medien an, ohne sich selbst der Spekulation zu enthalten, wobei er in einem atemberaubenden Feuerwerk eine ganze Palette von Inszenierungsmöglichkeiten aufbietet. Seine dynamische Bilderflut zieht in Bann, doch schießt der Film über das Ziel einer bitterbösen Satire weit hinaus.“ (Lexikon des internationalen Films)

Das dachte damals die Presse:
„Our culture maybe drifting toward the sort of calamity that Stone describes in Natural Born Killers, but the hysteriah edepicts seems to come from within him. His soul is in turmoil and so he keeps trying to convince us that we're sick.“

Hal Hinson –Washington Post

 

Hintergrund: Die ursprüngliche Story zu „Natural Born Killers“ stammt von Quentin Tarantino, der eigentlich mit diesem Film als Regisseur debütieren wollte – was er dann aber wegen Anlaufschwierigkeiten bei der Finanzierung stattdessen erfolgreich mit „Reservoir Dogs“ (1992) tat. Das danach folgende Angebot, nun auch bei „Natural Born Killers“ Regie zu führen, schlug er aus. Oliver Stone übernahm, schrieb aber das Original-Script Tarantinos derart um, dass der am Ende nur noch unter „Story“ in den Credits genannt werden wollte. Der Film ist vor allem wegen seiner ausufernden Gewaltszenen und seiner Wirkung auf (junge) Zuschauer umstritten. So soll es nach seiner Veröffentlichung zu u.a. von Jugendlichen verübten Morden (wie z. B. das Littleton-Massaker) gekommen sein, für die der Film anscheinend ein Vorbild war. In einigen Ländern steht er auf dem Index.

 

Starinfo Juliette Lewis: Die Tochter der Grafikdesignerin Glenis Batley und des Schauspielers Geoffrey Lewis wusste schon mit sieben, dass sie Schauspielerin werden möchte. Mit zwölf Jahren übte Juliette Lewis den Beruf professionell als Kinderdarstellerin aus. Mit 15 verließ sie die High School, um sich ganz auf den Traumjob konzentrieren zu können (den Abschluss holte Juliette mit Privatlehrern nach). Erste Lorbeeren in Hollywood verdiente Lewis sich im Thriller-Remake „Kap der Angst“. Oliver Stones umstrittene Medien- und Killer-Satire „Natural Born Killers“ markiert 1994 einen Höhepunkt in ihrer Karriere. Lewis gilt als eine der talentiertesten und wandlungsfähigsten Schauspielerinnen ihrer Generation. Zeitweise tauschte sie die Kamera gegen das Mikrofon und trat ab 2003 mit ihrer Band Juliette & The Licks erfolgreich auf. In Deutschland war Lewis, die Mitglied von Scientology ist, zuletzt 2010 mit „Umständlich verliebt“ und „Stichtag“ und 2016 noch einmal mit dem Thriller „Nerve“ im Kino zu sehen. Sonst konzentriert sie sich derzeit mehr auf Serienproduktionen („The Firm“, „Secrets & Lies“, „Wayward Pines“).

 

Starinfo Tommy Lee Jones: Tommy Lee Jones studierte in Havard und graduierte mit Auszeichnung. Der Mann mit dem ausdrucksvoll zerfurchten Gesicht war in über sechzig Filmen zu sehen und hat bei der Rollenwahl stets ein geschicktes Händchen bewiesen. Das hat sich denn auch ausgezahlt: 1994 gewann er den Oscar, den Golden Globe und den MTV-Movie Award für „Auf der Flucht“. Für „JFK – Tatort Dallas“ (1991) hatte er bereits eine Oscarnominierung erhalten. Weitere folgten 2008 und 2013 für seine Darstellungen in „Im Tal von Elah“ und „Lincoln“. Kult wurde Jones, der nie einen Schauspielkurs besuchte, auf alle Fälle mit den Blockbustern „Men in Black“ (1997) und dessen beiden Nachfolgern „Men in Black II“ (2002) und „Men in Black III“ (2012).

 

Starinfo Tom Sizemore: In jungen Jahren, als noch unbekannter Darsteller, jobbte Tom Sizemore als Ober im World Trade Center. Jahre später drehte er mit Regiegrößen und Stars Hollywoods. Juliette Lewis brach ihm übrigens dabei die Nase: während einer Kampfszene zu „Natural Born Killers“ (1994). Dem legendären Mafia-Boss Sonny Forelli in dem Egoshooter Grand Theft Auto gab er seine Stimme. Seine Ex-Frau Maeve Quinlan, Profi-Tennisspielerin und Akteurin in der Serie „Reich und Schön“, lernte er am Set zu „Natural Born Killers“ kennen. Sie war dort Komparsin und hatte ihm nach seinen eigenen Worten lange geholfen, den geraden Weg zu gehen. Doch immer wieder waren Alkohol und Drogen das Problem. 1997 rief Maeve die Polizei, weil Tom sie tätlich angegriffen hatte. 1999 trennte sich das Paar. Auch seine spätere Freundin, die Prostituierte und Callgirl-Mutter Heidi Fleiss, klagte 2002 und 2003 wegen häuslicher Gewalt. 2007 saß der in all den Jahren immer gut beschäftigte Schauspieler („Red Planet“, „Dreamcatcher“, „Paparazzi“) wegen Drogenbesitzes ein. 2016 kam es wieder zu Gewaltvorwürfen. Sizemores Aussagen zufolge hat er über elf Millionen Dollar für Anwälte und Anklagen wegen Drogen- und Gewaltdelikten ausgegeben.

 

Starinfo Jared Harris: Weil er nie eine Diskussion verlor, glaubten seine Schauspieler-Eltern Elizabeth Rees und Richard Harris eher, dass ihr Sohn Jared Anwalt werden würde. Auch zeigte er zunächst wenig Interesse am Schauspielberuf, bis er einmal am College auf der Bühne stand. Jared Harris studierte daraufhin in den 80er Jahren in North Carolina und London Schauspiel und stieg in die Royal Shakespeare Company ein. Sein älterer Bruder, der Regisseur  Damien Harris, holte ihn 1989 für seine erste Filmrolle in „Er? Will! Sie Nicht?“ ans Set. Noch mehr Anerkennung erhielt Harris für seine Darstellung des Pop-Art-Künstlers Andy Warhol in „I Shot Andy Warhol“ (1996). Indpendent-Liebhaber kennen ihn aus Filmen wie  „Natural Born Killers“ (1994), „Smoke - Raucher unter sich“ (1995), „Happiness“ (1998) oder „Igby“ (2002). Freunde des Blockbusters konnten ihn in „Der letzte Mohikaner“ (1992), „Mr. Deeds“ (2002), „Resident Evil: Apocalypse“ (2004), „Lincoln“ (2012)  oder „Poltergeist“ (2015) bewundern. Erinnerungswürdige Charaktere spielte er auch im TV, z.B. in „Fringe - Grenzfälle des FBI“ (2008-2013) und „Mad Men“ (2007-2015). Sein jüngerer Bruder ist übrigens der Schauspieler Jamie Harris.

 

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