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Milla Jovovich im TELE 5-Interview

„Ich dachte, die Welt drehe sich nur um mich


Im Film „schlagen“ Sie sich durch Ihre Szenen. Sind Sie im wahren Leben auch so „schlagfertig“ oder eher eine klassische Hausfrau?

Ich bin schlagfertig, aber auch eine tolle Hausfrau (grinst). Ich habe extrem viel Geduld und habe neben den Hausarbeiten auch noch Hobbys wie zum Beispiel Nähen.

 

Also zählen Sie die Hausarbeit zu Ihren Hobbys?

Ja. Seit meinem elften Lebensjahr arbeite ich als Model. Vielleicht ist es gerade deshalb so toll für mich, zuhause zu putzen oder zu organisieren. Es ist etwas ganz anderes als das, was ich gewöhnt bin. Immerhin muss ich dabei nicht still halten, weil ich geschminkt werde oder meine Haare gemacht bekomme.

 

Was kochen Sie am liebsten?

Ein russisches Gericht, ähnlich wie Empanadas, also eine Art osteuropäische Teigtaschen. So lecker! Und ich mache den besten Yorkshire-Pudding. Das ist meinem Mann wichtig (lacht), er ist immerhin Brite und dort geht ohne Yorkshire-Pudding gar nichts.

 

Sie haben zwei Töchter, die elf und drei Jahre alt sind. Wie verbringen Sie Ihre Zeit mit ihnen, wenn Sie von einem langen Drehtag voller Adrenalin nach Hause kommen?

(lacht) Bis ich zu Hause ankomme, bin ich ausgepowert. Mein erster Satz ist: „Lasst uns malen“. Meine Töchter wollen aber meistens das genaue Gegenteil: „Lass uns spielen. Du bist die böse Stiefmutter und wir sind Cinderella“. Aber ich möchte dann nicht mehr schauspielern. Ich will dann nur noch ich selbst sein. Meistens enden wir dann auf dem Boden und ringen zum Spaß (lacht).

 

Im Film können Sie auch mal gut was wegstecken. Waren Sie denn schon immer so kampflustig und vor allem sportlich?

Während meiner Schulzeit habe ich nie Sport getrieben, war aber trotzdem immer sportlich. Ich hatte den Körperbau meines Vaters und sah aus wie ein 15-jähriger Junge, ohne Busen. Erst für die Dreharbeiten zu „Das fünfte Element" (1997) fing ich mit Kampfsport und Training an. Ich merkte schnell, dass ich gut darin bin. Es ist ein tolles Gefühl, hart zu trainieren und diszipliniert zu sein. Man ist stolz auf sich selbst und diesen Stolz kann einem keiner mehr nehmen. Das wünsche ich mir auch für meine Töchter.

 

Ist Disziplin in Ihrer Familie wichtig?

Sehr. Wenn ich zum Beispiel mit meinen Töchtern puzzle, lege ich großen Wert darauf, es fertig zu stellen. Fokus ist ein wichtiges Wort in unserer Familie.

 

Sie waren sehr jung, als Sie in der Filmbranche starteten. Wann wurde Ihnen bewusst, dass Sie berühmt sind und in der Öffentlichkeit stehen?

(überlegt) Mit meinem Film „Rückkehr zur Blauen Lagune" (1991). Das war der erste Film, für den ich auf Pressetour gehen musste. Ich war 15 Jahre alt. Es war schlimm. Wir flogen jeden Tag woanders hin. Um sechs Uhr morgens klingelte der Wecker: Haare, Make-up. Die Interviewtage waren 14 Stunden lang. Das war hart. Und dann habe ich auch noch schlechte Kritiken über mich gelesen - was man mit 15 Jahren natürlich nicht wirklich versteht. Ich war total durcheinander. Aber meine Mutter stand mir mit ihrem Rat zur Seite: „Du legst dir besser ein dickes Fell zu oder du wirst in dieser Branche nie überleben. Mir ist es egal, ob du Schauspielerin bist oder nicht, aber höre auf, dich selbst zu bemitleiden“. Daraus habe ich gelernt. Dieser Film hat mein Leben verändert.

 

Wann haben Sie sich zum ersten Mal bestätigt gefühlt?

Als ich anfing Musik zu schreiben. Ich konnte meine Gitarre und die Worte, die aus meinem Mund kamen, selbst kontrollieren. Eine Band zu gründen und live aufzutreten war unbeschreiblich. Etwas, was ich alleine machen konnte, ohne meine Mutter. Das Publikum gab mir Kraft und die Bestätigung, dass sie gut finden, was ich mache. Das war das erste Mal, dass ich etwas geben konnte, was ankam. Nicht wie bei der Kritik, die ich wegen des Films bekam. Und dann kam das „Fünfte Element". Da habe ich zum ersten Mal gemerkt, was es bedeutet, Schauspieler zu sein. Tolles Gefühl!

 

An was aus Ihrer Teenager-Zeit erinnern Sie sich?

Oh Gott. Von 13 bis 16 (lacht). Es ist das Allerschlimmste für mich, mir Interviews aus dieser Zeit anzuschauen. Ich kann die Dinge, die ich gesagt habe, gar nicht glauben. Damals dachte ich, dass ich die coolste Person der Welt bin. Dann wurde ich 16 und sah eines dieser Interviews. Meine Freundin fing an zu lachen. Da merkte ich, dass ich nicht so sein will und mich sofort ändern muss (lacht).

 

Haben Sie diese Artikel aufgehoben?

Schlimmer! Es gibt Interviews von mir auf YouTube. Ich mit 13. Das pseudointellektuelle Zeug, das aus meinem Mund kommt - einfach unglaublich (lacht).

 

Ihre Tochter wird ja bald 13 - dann können Sie ihr diese Interviews zeigen.

Nie und nimmer (lacht). Ich hoffe, dass sie anders ist als ich in diesem Alter war.

 

Wieso?

Ich verdiente mein eigenes Geld und dachte, die Welt drehe sich nur um mich. Meinen Eltern sagte ich: „Ich verdiene mein eigenes Geld, wieso sollte ich noch hier leben?“ Wie kann man nur so mit seinen Eltern sprechen?! Als meine erste Tochter zur Welt kam, dachte ich mir: Sie lebt mit 15 in unserem Haus und wenn sie 20 Dollar braucht, dann gebe ICH sie ihr (lacht).

 

Na ja, das hat ja nicht ganz geklappt.

Nein. Meine Älteste hat in „Resident Evil: The Final Chapter" die Red Queen gespielt. Da war sie acht Jahre alt.

 

Ihre Tochter kannte sich mit „Resident Evil" sicherlich blendend aus.

Ja. Sie hat drei Filme miterlebt. Sie war ein Set-Baby und hat sich immer blendend mit den Zombies verstanden. Sie ist eine tolle Schauspielerin, sie hat es einfach im Blut. Ich wusste mit acht Jahren nicht, was ich werden möchte. Für sie ist es ganz klar: Schauspielerin. Das ist ihre Leidenschaft. Sie bettelte schon mit fünf Jahren, dass ich sie zum Vorsprechen bringe. Ich sagte ihr: „Dazu musst du lesen können, damit du dir deine Texte merken kannst.“ Das machte sie sich dann voller Elan zur Aufgabe. Mit sechs sagte sie: „Jetzt kann ich lesen, darf ich zum Vorsprechen?“. Ich meldete sie in einer Schauspielklasse an - sie war sehr gut. Als sie sieben Jahre alt war, fingen wir mit den Dreharbeiten an. Paul wollte sie für die Rolle der Red Queen - wir haben uns gestritten, ich hab nachgegeben. Tja und der Rest ist Geschichte (lacht) - sie hat seitdem schon für einige Rollen vorgesprochen.

 

War es hart für Sie, sich nach 15 Jahren von Alice zu verabschieden?

Es war sehr emotional. Diese gesamte Erfahrung ist so ein großer Teil meines Lebens geworden. Ich hab meinen Ehemann dadurch kennengelernt, jetzt haben wir zwei wunderbare Töchter. Ich werde diesen Teil meines Lebens nie vergessen.

 

Was ist für Sie böse (Evil)?

Nach zwei Kindern ist alles böse, was gut schmeckt (grinst). Jedes Mal, wenn ich einen Burger oder einen Donut esse, möchte ich direkt danach ins Fitness-Studio laufen. Sie wissen: Gut für die Seele, schlecht für den Hintern.

 

 

 

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